Christoph Wehrli schreibt in der heutigen «NZZ» auf der neuen Meinungs & Debatten Seite einen Artikel über die anhaltende, aber nicht nachhaltige Einwanderung in der Schweiz. Er rückt die Einwanderung zu Recht in ein Licht fern ab von «Ausländerfeindlichkeit- und freundlichkeit», sondern sieht in der Einwanderung tiefergreifende Probleme wie jene der Nachhaltigkeit. Es geht also letztlich auch um raumplanerische Fragen. (Artikel leider (noch??) nicht online)
einige ergänzende Gedanken und Anregungen zum Text:
Die Schweiz täte längstens gut daran, sich mit ihren Platzverhältnissen auseinander zu setzen. Die räumlichen Bedingungen der Schweiz mit ihren 41'285 Quadratkilometern sind gegeben, grösser wird sie nicht. Nur enger wird es zusehends in der Schweiz. Egal ob mit Neugeborenen Schweizerinnen und Schweizern oder zugewanderten Ausländerinnen und Ausländern. Alleine im letzten Jahr ist die Schweizer Bevölkerung um mehr als 100'000 Einwohner gewachsen. Dies entspricht etwa der Einwohnerzahl der Stadt Winterthur. Eine multikulturelle Gesellschaft - wie es die Schweiz eine ist - macht nur so lange Sinn, wie die einzelnen Kulturen genügend Platz haben für ein Mit- und Nebeneinander.
Rund 70 Prozent der jungen Männer in der Schweiz verfolgen den Traum von Familie, eigenem Auto und eigenem Haus, wie aus jährlichen Befragungen unter Rekruten hervor geht. Aber nicht nur Schweizer wollen ein eigenes Haus, auch zunehmend gut ausgebildete Ausländer (vor allem aus Deutschland) die sich in der Schweiz nieder lassen, träumen von grosszügigen vier Wänden. Es wäre grundsätzlich an der Zeit, den Traum vom Einfamilienhaus zu überdenken. Ein Traum, der in einer fortschrittlichen Gesellschaft wie jener der Schweiz, eigentlich längst ausgeträumt sein sollte.
Es wird also dringend nötig, dass die Politik und die Bevölkerung gemeinsam eine nationale Debatte über Raumplanung und Platzverhältnisse (also die schwindende Ressource Boden) lancieren. Vielleicht bietet die Initiative der Umweltverbände, die ein 20-jähriges Bauland-Moratorium fordert, eine gute Gelegenheit dazu. Hoffentlich! Es sollte «uns» klar werden, dass Kriminalität und Sozialmissbrauch nur eine geringe Folge der Einwanderung sind, auch wenn bürgerliche Politiker vehement das Gegenteil behaupten. Und sind es nicht vor allem bürgerliche Politiker, die sich als «Retter» der (Heidi- und Willhelm Tell)-Schweiz verstehen, sich um raumplanerische und damit also auch «landschaftserhaltende» Fragen jedoch kaum bemühen.
Das Thema Einwanderung bzw. Bevölkerungswachstum generell (auch durch Schweizer verursacht), sollte in Zukunft verstärkt im Kontext von Platzverhältnissen diskutiert werden. Die zunehmend überfüllten SBB-Züge sowie die explodierenden Infrastrukturkosten sind ebenfalls Folgen des Bevölkerungswachstums sowie der verfehlten Raumplanungspolitik der Schweiz. Die Einwanderung bzw. die Bevölkerungszunahme kostet die Schweiz nicht nur Platz, sondern auch immer mehr Geld.
03-10-09
Nachhaltige Einwanderung - dringende Diskussion um Platzverhältnisse
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