In der «Arena» des «Schweizer Fernsehens» diskutierten Akteure von Links bis Rechts zum wichtigen Thema «Überbevölkerung» in der Schweiz. Überbevölkerung, dies war eigentlich der Titel der Sendung. Eine geschlagene Stunde ging jedoch unnötigerweise verloren an eine äusserst mühselige und belanglose Diskussion über Ausländer und Migration. Auf das eigentliche Thema Überbevölkerung und die daraus folgenden Auswirkungen auf die Lebensqualität der Bevölkerung sowie mögliche Lösungsansätze durch die Raumplanung, wurden halbherzig und pflichterfüllend während der letzten rund 15 Minuten der Sendung noch schnell abgehandelt. Dass die gesamte Sendung so völlig am Thema vorbei redete und das Thema Ausländer von bürgerlichen Gesprächsteilnehmern vielmehr herbeigeredet wurde, lag nicht zuletzt an der (sagen wir mal) suboptimalen Besetzung der Gäste. Mit Gästen wie Roger Köppel («Weltwoche») und Hans Fehr (SVP) endet eine solche Diskussion gezwungenermassen in der Ausländer-Migrations-Personenfreizügigkeits-Nein Sackgasse. Das hätte den Verantwortlichen der Sendung bewusst sein sollen.
Eher enttäuschend war auch Thomas Held von «Avenir Suisse». Dass er als Vertreter einer Wirtschafts-Denkfabrik die Interessen der Wirtschaft vertritt, erklärt sich von selbst. Da seine Organisation aber bereits verschiedenste Broschüren und Bücher zu Bevölkerungs- und Raumplanungsthemen verfasst hat, hätte man ihm eine etwas differenziertere Haltung attestieren können, als die ganze Diskussion als überflüssig und als «Luxus-Problem» zu marginalisieren. Die Einwanderung soll nachhaltig sein und sich nicht nur an kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen orientieren, sodass sich künftige Generationen über die unsrige zu ärgern haben.
Überbvölkerung in der Schweiz ist nicht primär ein Ausländer bzw. ein Migrationsproblem. Sondern generell ein Problem von (zu vielen) Menschen - egal ob Ausländer oder Schweizer - auf einem sehr kleinen Raum. Die Debatte hätte sich viel mehr und hauptsächlich um generelle Fragen zur Zukunft der Schweiz richten sollen. Fragen also nach der Lebensqualität im Land, Fragen nach der zukünftigen Stadt- und Landentwicklung (Raumplanung), Fragen zu den Platzverhältnissen, Fragen zu den Vorstellungen über das Wohnen, Fragen zu den zunehmenden Infrastrukturkosten für Bahn und Strasse etc. etc. Kurz: wie sieht die Schweiz von Morgen aus? Eine reine Ausländer/Migrations-Diskussion, greift zu kurz.
Die Diskussion wäre freilich eine andere, oder im Sinn von Thomas Held, tatsächlich ein «Luxus-Problem», wenn die Schweiz: erstens, geographisch zwei bis dreimal so gross wäre wie sie ist, oder wenn sie, zweitens, nicht ein Alpenstaat wäre. Wenn also der gesamte Schweizer Alpenraum als zusätzliche Siedlungsfläche für Städte und Dörfer genutzt werden könnte. Dem ist aber nicht so. Es wird (zunehmend) eng in der Schweiz. Dies kann (oder wird??) früher oder später zu sozialen vertikalen Spannungen zwischen Alten und Jungen und zwischen Ausländern und Schweizern führen. Der Mensch braucht nicht nur unternehmerische Freiheiten, sondern auch Freiräume in Stadt und Natur.
siehe auch Artikel vom 03.10.2009 zur nachhaltigen Einwanderung
update: 07.11.2009: Danke Andreas Amsler für den Hinweis!
31-10-09
SF «Arena» zur «Überbevölkerung» - völlig am Thema vorbei geredet
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Kommentare
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Dieses Thema wird die ganze Bevölkerung ansprechen,die Politik hat versagt. Frau Bundesrätin E.Schlumpf-Widmer ist eine Schande für unser Land. Auch die SP trägt viel dazu bei. Man muss die Einwanderung stoppen, jeder weiss wie klein unser Land ist, wo hat dann die Natur und Tierwelt noch Platz? Die ist sehr wichtig für Touristen und Einwohner unseres Landes. Die Schweizer/-innen sind so anpassungsfähig, lassen sich verarschen von allen Seiten, nur dem Frieden zu liebe. Sehr bedenklich diese Entwicklung!!!
#1
bb
(Homepage)
am
31.10.2009 11:08
(Antwort)
Zu den Themen Zersiedelung und Überfremdung ein Hinweis auf eine aktuelle Debatte: "Die Grenzen des Wachstums lassen sich nicht an den Aussengrenzen der Schweiz regeln", meint Andreas Kiriacou auf politnetz.ch http://ow.ly/zVYL
#2
Andreas Amsler
(Homepage)
am
06.11.2009 22:09
(Antwort)
